Mit und ohne Handy Stativ: Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?

Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?Unser zentrales Thema hier sind Handy Stative, aber heute wollen wir mal thematisch über den Tellerrand hinaussehen. Beim Stöbern im Netz habe ich die aktuelle Blogparade von Thomas und Melanie Jansen in ihrem Reise-Fotografie Blog entdeckt. Es geht um das Thema „Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?„. Ein sehr interessantes und sicher kontroverses Thema.

Bildbearbeitung: was ist Manipulation und was nicht?

Ich finde das Thema deshalb so faszinierend, da ich selbst im Bereich Training und Kommunikation tätig bin und auch hier kommt immer wieder die Frage auf: Wenn ich jetzt eine Kommunikationstechnik verwende, dann manipuliere ich doch und das will ich nicht!

Ein guter Ansatz um das Thema zu betrachten ist ein Zitat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick:

„Man kann nicht nicht kommunizieren!“

Und etwas abgewandelt „Man kann nicht nicht beeinflussen!

Wenn man mit jemanden Kommuniziert hat man immer auch eine Wirkung auf den anderen. Ob diese erwünscht oder unerwünscht ist, sowohl auf Seiten des Senders als auch des Empfängers sei dahingestellt. Genauso ob diese Wirkung bewusst oder unbewusst erzeugt wurde.

Ähnlich sehe ich es mit der Bildbearbeitung.

Bildbearbeitung beeinflusst die Wirkung eines Fotos

Und meiner Ansicht nach lässt sich dies gar nicht vermeiden, weil die Einflussnahme bereits vor der Bildbearbeitung beginnt.

Denn die Wirkung eines Bildes wird bereits mit der Auswahl einer ganzen Reihe von Punkten beeinflusst wie z.B. die Perspektive, der Bildausschnitt, die Kamera und der Film (wobei man heutzutage den Film wohl eher durch das Verfahren mit dem die RAW-Dateien umgewandelt werden ersetzen kann), die Belichtungszeit, die Beleuchtung, der Moment in dem das Foto geschossen wird.

Jeder dieser Punkte beeinflusst bereits die Wirkung eines Bildes.

Wahrheit und Realität als Maßstab?

Die Frage wie weit Bildbearbeitung gehen darf, impliziert, dass es Grenzen gibt.

Oft wird die Meinung vertreten, dass die Grenze da beginnt wo Wahrheit oder Realität verfälscht wird.

D.h. wenn die Bildbearbeitung das Bild so weit verändert, dass es nicht mehr der Wahrheit oder der Realität entspricht, dann wäre dies nicht richtig.

Auch wenn ich natürlich nicht möchte, dass mir z.B. in Nachrichten Bilder gezeigt werden, die klar auf eine Aussage hindeuten wie z.B. das Land XYZ agiert militärisch aggressiv gegenüber ZYX, wobei dieser Eindruck nur durch die Art der Aufnahme, die Auswahl des speziellen Bildes und die spätere Bearbeitung entstanden ist und ich diesen Eindruck, wenn ich als Augenzeuge vor Ort gewesen wäre niemals gehabt hätte. So weiß ich, dass sich ein bestimmter Grad der Beeinflussung niemals vermeiden lässt.

Es gibt eine herrliche Anekdote über Pablo Picasso

Während einer seiner Ausstellungen wird Picasso von jemanden angesprochen, warum er die Menschen so unrealistisch darstelle. Warum er Menschen nicht so malen würde, wie sie wirklich sind. Picasso entgegnet: Wie sehen denn Menschen wirklich aus? Daraufhin zieht sein Gegenüber ein Foto aus der Tasche und sagt: Sehen sie, so sieht meine Frau aus.

Ach, antwortete Picasso, das ist also ihre Frau.

Wie flach sie ist und wie klein!?

Realität oder Wahrheit lässt sich nicht so leicht bestimmen oder fassen wie wir zumeist annehmen.

Es kommt auf die Rahmenbedingungen an

Geht es um Nachrichten, Dokumentation von Tatsachen oder soll ein Eindruck eine bestimmte Wirkung wiedergegeben werden. Ist es ggf. Kunst?

Je nach Einsatzzweck, sehe ich eine fließende Grenze für die Art und den Grad an Bildbearbeitung.

Je mehr der Zusammenhang in dem ein Foto genutzt wird, die Erwartung von Wahrheitsgehalt und Authentizität mit sich bringt, desto weniger sollte ein Bild so bearbeitet werden, dass eine Wirkung entsteht, die es in der tatsächlichen Situation nicht gegeben hat.

Das trifft für mich bei Nachrichten und Tatsachendokumentationen zu.

Bildbearbeitung kann trotzdem dazu genutzt werden, um wichtige Details besser zur Geltung zu bringen.

Je mehr es um die Wirkung des Bildes geht und weniger um Realismus, desto mehr darf auch Bearbeitet werden.

Mir hat mal jemand gesagt Kunst wäre einen Moment, einen Gedanken oder ein Gefühl über das verwendete Kunstwerk so gut zum Ausdruck zu bringen, dass es beim Betrachter wieder angeregt wird. Dabei sind jegliche Einflussnahmen erlaubt, die möglich sind.

Verbesserte Wirkung

In den meisten Fällen versucht der Fotograf bei der Bildbearbeitung die von ihm gewünschte Wirkung zu verbessern.

Das ist aus meiner Sicht absolut in Ordnung und dabei kann jeder so weit gehen wie er will.

Das große Aber kommt in mir dann auf, wenn die mit Hilfe der Bearbeitung erzielte Wirkung mich zu etwas bringen soll (meist geht es um Meinung bilden oder ändern oder Geld ausgeben), das ich ohne diese Bearbeitung nie in Betracht ziehen würde. In bestimmten Bereichen wie z.B. der Werbung haben die meisten Menschen ja bereits eine gesunde Skepsis. Die sich aber gerne auch auf weitere Bereiche ausdehnen darf wie z.B. Nachrichten und Dokumentationen.

Wirkung und Selbst-Bewusstsein

Insofern würde ich die Frage gerne umformulieren.

Statt zu Fragen „Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?“, sich lieber bewusst zu werden:

  • Wie wirkt ein Bild auf mich?
  • Wie weit hinterfrage ich die Wirkung dieses Bildes auf mich?
  • Welches Interesse oder Motiv steckt vermutlich hinter dieser Bildwirkung?

So viel zu meinen Gedanken.

Wer weitere Meinungen und Gedanken zur Bildbearbeitung lesen möchte, findet hier alle weiteren Artikel zu der Blogparade und auch den eigenen Artikel des Veranstalters.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
    1. Danke dir, Thomas!

      Ich freue mich über deine grandiose Blogparadenidee.

      Eigentlich behandeln wir hier solche „ernsten“ Themen auf Handy Stativ gar nicht, aber das Thema hat mich einfach gepackt als ich gestern eure Website entdeckt habe.

      Dort muss ich unbedingt auch noch ein wenig schmöckern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Suche

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen